Weiterbildung

Swissmedmusica-Symposium „Rund um die Hand“ in Biel

Samstag 7. November 2026, FARELSAAL BIEL

ZWEI WORKSHOPS ZUR WAHL

Workshop 1 – Leonhard Königseder
„Wenn die Hände zittern – Strategien zum Umgang mit Drucksituationen“
Für Musiker:innen besteht die zentrale Herausforderung nicht nur darin, im Proberaum künstlerische Exzellenz zu entwickeln, sondern diese auch unter Leistungsdruck – etwa vor Publikum oder Fachjury – zuverlässig abrufen zu können. Zittern und Kontrollverlust in den Händen zählen dabei zu den häufigsten und belastendsten Problemen.
In diesem Workshop werden Strategien vorgestellt, die helfen, mit Drucksituationen besser umzugehen und die motorische Kontrolle wiederzuerlangen.

Workshop 2 – Ingrid Hauser
„Feinmotorik – mit Fingerspitzengefühl ans Instrument“
Durch eigenes Ausprobieren erleben wir unterschiedliche Handgefühle und schärfen dabei unsere Wahrnehmung für feine Unterschiede.
Es werden einzelne Übungen zur Körperhaltung vorgestellt, vielfältige Übungen zur feinmotorischen Funktion der Finger – wobei dem Daumen besondere Aufmerksamkeit gewidmet wird – und des weiteren auch Übungen am Instrument.
Der Begriff „Übungen“ ist hierbei ausdrücklich nicht im Sinne eines mechanischen Trainings durch Wiederholung zu verstehen. Vielmehr steht eine differenzierte Wahrnehmung im Mittelpunkt: Es geht um Sensibilisierung und darum, natürliche Bewegungsabläufe anzuregen. Ausgangspunkt ist dabei stets das klangliche Ziel am Instrument. Diese Herangehensweise unterstützt uns darin, Unnötiges und Überflüssiges loszulassen und zu einer freieren, organischeren Spielweise zu finden.

KEYNOTES & VORTRÄGE

Keynote 1 – Leonhard Königseder
„Warum tun Hände nicht immer, was sie sollen?“

Viele Musiker:innen kennen die Erfahrung: Im Proberaum funktioniert alles – doch auf der Bühne plötzlich nicht mehr. In dieser Keynote geht es um die psychologischen Hintergründe dieser Diskrepanz und darum, wie mentale Prozesse die Kontrolle über die Hände beeinflussen.

Keynote 2 – Prof. Dr. Jochen Blum
«Die Hand beim Musizieren: ein Wunder der Natur – aber auch anspruchsvoll aus Sicht eines Handspezialisten»

Die menschliche Hand ist zweifellos ein Wunder der Natur, welches aufgrund seiner hochspeziellen Konstruktion und Verknüpfung mit dem Nervensystem Leistungen ermöglichen kann, die anderen Lebewesen nicht gelingen. Innerhalb der menschlichen manuellen filigranen Leistungsfähigkeiten stellt hierbei das Musizieren nochmals einen Höhepunkt an Komplexität dar, die kaum mit anderen Anforderungen an die Hand vergleichbar ist.
Musiker*innen sind zurecht anspruchsvolle Handpatienten. Hoher Erwartungsdruck an Handspezialist*innen und Handchirurg*innen und prinzipielle Abneigung gegenüber jeglichen operativen Eingriffen an der Hand erschweren die Arzt-Patient-Beziehung, wenn von ärztlicher Seite keine persönliche Musiziererfahrung oder Vorstellungsfähigkeit deren Anforderungen vorliegen. Kenntnisse der spezifischen Anforderungen an die Hand von Musiker*innen vor dem Hintergrund musikphysiologischer und instrumentaltechnischer Grundlagen erleichtern auf jeden Fall sowohl Anamnese, Untersuchung, Diagnostik wie auch Therapiewahl.
Erkrankungen der Hand finden sich, abgesehen von Sehnenerkrankungen und Sehnenscheidenentzündungen und der Fokalen Dystonie, bei Musiker*innen nicht wesentlich gehäuft im Vergleich zur Gesamtbevölkerung. Dennoch bekommt eine Reihe von Krankheitsbildern durch die besonderen beruflichen Anforderungen einen wesentlich brisanteren Stellenwert. Dies betrifft vor allem periphere Nervenkompressionssyndrome, Arthrosen, Ganglien, Kontrakturen und Hypermobilitätssyndrome. Dies soll in diesem Vortrag für Musiker*innen verständlich dargestellt werden.
Die Behandlung, aber auch Prävention dieser Erkrankungen wie auch von Verletzungsfolgen erfordert neben maximalen handchirurgischen Therapieanstrengungen Kreativität und die Einbeziehung des musikalischen Berufsumfeldes, bis hin zu den Musikinstrumenten selbst, in die Therapie und Rehabilitation. Die Entscheidung zum operativen Eingreifen kann in bestimmten Fällen eher Zurückhaltung erfordern, dennoch gibt es eindeutig Situationen, in denen Berufsmusiker*innen früher einem handchirurgischen Eingriff zugeführt werden sollte, um eine rasche Rückkehr ans Instrument unter dem Gesichtspunkt labiler und übintensiver feinmotorischer Bewegungskonzepte zu ermöglichen. Auch kann in bestimmten Fällen sinnvoll sein, ergonomische Veränderungen an den Instrumenten selbst und ihrem Zubehör vorzunehmen. Entsprechende Beispiele sollen hier aufgezeigt werden.

Vortrag 1 – Ingrid Hauser
„Mit Fingerspitzengefühl ans Instrument“ – und «warum es für uns Musiker:innen existenziell wichtig ist, auf unseren Instrumenten feinmotorisch zu spielen».
In diesem Vortrag geht es um unterschiedliche Hand-, Spiel- und Bewegungsgefühle, die – insbesondere im Workshop – erlebbar und spürbar gemacht werden. Im Mittelpunkt stehen die Unterschiede zwischen fein- und grobmotorischer Steuerung beziehungsweise Spielweise der Finger, sowie einige Voraussetzungen unserer Körperhaltung, die für das Funktionieren der feinen Fingermotorik entscheidend sind. Darüber hinaus werden Möglichkeiten aufgezeigt, die Feinmotorik weiterzuentwickeln oder neu aufzubauen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den Gefahren und Risiken, die in diesem Bereich für Musiker:innen bestehen und wie sich diese vermeiden lassen.

Vortrag 2 – Dr. med. Johanna Doll-Lee
«Die Hand des Virtuosen – von Robert Schumann zur modernen Dystonieforschung»

Musizieren ist eine der komplexesten Tätigkeiten, die das menschliche Gehirn meistern kann. Es erfordert nicht nur Gedächtnisleistung und Konzentration, sondern auch eine außergewöhnliche feinmotorische Kontrolle. MusikerInnen haben deshalb meist schon in der Kindheit mit dem Instrumentalspiel begonnen und viele tausend Stunden geübt, bevor sie die Aufnahmeprüfung an eine Musikhochschule bestanden haben. „Üben hilft“ – diesen Grundsatz kennen wir alle. Aber was, wenn Üben nicht mehr hilft?
Die Musikerdystonie ist eine Bewegungsstörung, die zu einem Verlust der feinmotorischen Kontrolle am Instrument führt und namhafte Künstler wir Leon Fleisher und Robert Schumann betraf. In diesem Vortrag werden aktuelle wissenschaftliche Studien zum Thema beleuchtet und Erkenntnisse über Risikofaktoren, Präventionsstrategien und Therapiemöglichkeiten diskutiert.

Vortrag 3 – Oliver Margulies
«Individualität der Spielhände auf objektiver Grundlage einschätzen: Impulse für
die Instrumentalpädagogik, Prävention und Therapie aus dem Handlabor der ZHdK»
Individuelle Handeigenschaften können zur Leichtigkeit beim Instrumentalspiel wesentlich beitragen. Unerkannt können sie das Instrumentalspiel aber auch erschweren oder sogar verunmöglichen. Das Handlabor der ZHdK (Zürcher Zentrum Musikerhand ZZM, www.zzm.ch) trägt durch Messung von inzwischen über 100 Handeigenschaften zu einem differenzierten Verständnis der Spielhand bei.
Der mit praktischen Impulsen angereicherte Kurzvortrag erschliesst Hintergrundinformationen zum Handlabor und gibt Einblick in aktuelle, anwendungsorientierte Forschungsprojekte und zeigt Beispiele für den Praxistransfer in Pädagogik und Beratungstätigkeit von Musiker:innen.

Vortrag 4 – Qualizirkel Musikmedizin Handtherapie Zürich und Umgebung
«Anpassungen am Instrument? Einblicke in die Handtherapie»
Wie passt sich die Hand ans Instrument oder das Instrument an die Hand an? Wenn Musiker:innen in die Handtherapie kommen, ist die Behandlung oft komplexer als die Symptome oder die Diagnose. Anhand konkreter Praxisbeispiele wird gezeigt, mit welchen Massnahmen Hand und Instrument (wieder) zueinander finden – von ergonomischen Anpassungen am Instrument über individuelle Schienenversorgungen bis hin zu therapeutischen Übungen. Ein praxisnaher Input aus der Ergo- und Physiotherapie – mit der Möglichkeit, im Anschluss Fragen zu stellen.

 

Programm, Anmeldung und weitere Infos sind zu finden unter:

swissmedmusica.ch

Flyer.pdf

 

Über Swissmedmusica

Swissmedmusica (swissmedmusica.ch) fördert seit 1997 in der Schweiz Gesundheit und Prävention im Musikerberuf. Der Gesellschaft hat dazu ein hochkarätiges interdisziplinäres Netzwerk an Fachleuten aufgebaut. Für Ratsuchende unterhält Swissmedmusica eine unentgeltliche nationale Beratungsstelle. Swissmedmusica ist aber auch ein Kompetenzzentrum für Öffentlichkeitsarbeit und Informationsaustausch für Musikermedizin.