Was ist meine Arbeit eigentlich wert? Das hat sich wohl jeder schon mal gefragt. Einerseits gibt es die ideelle Wertschätzung. Davon alleine hat man aber noch nicht gelebt. Der Lohn in Franken und Rappen sollte Ausdruck dieser Wertschätzung sein. Dass diese zwei Grössen im Kulturbereich stark voneinander abweichen, ist keine neue Feststellung.

Wie es tatsächlich um die pekuniäre Wertschätzung der Musiker und Musikerinnen steht, zeigt unsere SMV-Mitgliederumfrage auf. Ein Teil des Problems liegt sicher in der Schwierigkeit der Sichtbarmachung der Arbeit – dies gilt natürlich für alle Berufssparten, insbesondere aber für die Berufsmusikerinnen und -musiker. Nur das Resultat – sozusagen die Spitze des Eisbergs – zeigt sich bei entsprechenden Aufführungen nach Aussen hin. Was alles an Aufwand nötig ist zu einer solch meisterlichen Performance, bleibt der grossen Mehrheit, die nicht selber musiziert, sondern Musik geniessend konsumiert, in aller Regel verborgen. Beispielhaft sei da die lange Ausbildung am Instrument genannt, das Üben und Proben, Instrumentenkauf und -pflege und die Selbstvermarktung. Wenn es gelänge, diese Hintergrundarbeiten mehr in das Bewusstsein der Allgemeinheit zu rücken, wäre nach meinem Dafürhalten schon der Grundstein gelegt für eine Annäherung von ideeller und pekuniärer Wertschätzung.
Auch mir fehlt leider das Patentrezept zur Umsetzung dieser Sichtbarmachung – ich kenne dieses Problem schliesslich auch selber als Verbandssekretärin in Bezug auf meine eigene Arbeit sowie in Bezug auf die Erfolge des Verbands; auch hier ist von Aussen oft nur ein kleiner Teil dessen wahrnehmbar, was hinter den Kulissen geleistet wird. Ich bin aber überzeugt davon, dass zumindest jeder auf seiner Ebene etwas dazu beitragen kann. Nach dem Motto „Tu Gutes und sprich darüber“ hat jede Musikerin und jeder Musiker die Möglichkeit im eigenen grossräumigen Umfeld Aufklärungsarbeit bezüglich des Musikerberufs zu betreiben. Dabei soll auch der Tarifflyer des SMV helfen, mit der Abbildung des Tarifs und der Erläuterung zur dafür erkauften Leistung.
Am Verband ist es, bei den Veranstaltern den Tarif zu vertreten und den Säumigen auf die Finger zu klopfen. Mindestens genauso wichtig ist aber auch das zukunftsorientierte Vorgehen durch die Sensibilisierung und Lobbyarbeit in der Politik und bei der öffentlichen Hand – schliesslich gehört das Kulturangebot im weiten Sinn zum Service public. Und nicht zuletzt macht es natürlich Sinn, sich als Verband nach Partnern umzusehen, um mit gebündelten Kräften und einer Vielzahl von Vertretenen gemeinsam vorzugehen.
Ich bin überzeugt davon, dass unsere Stärke im Miteinander liegt. Eines der wichtigsten Schlüsselworte dafür heisst aus meiner Sicht „Solidarität“. Wenn sowohl die Musikerinnen und Musiker untereinander solidarisch sind, nicht unter Tarif spielen und auf der Abrechnung der Sozialleistungen beharren, als auch der Verband auf entsprechende Anzeige hin die schwarzen Schafe unter den Veranstaltern angeht und so weit als rechtlich möglich in Pflicht nimmt, muss dies unweigerlich längerfristig die gewünschte Wirkung zeigen. Der SMV-Tarif mit allen Sozialleistungen und Entschädigungen – wenn rechtlich auch nicht verbindlich, muss sich als Wertschätzung für die geleistete Arbeit als Minimalstandard durchsetzen können.
In diesem Sinne wünsche ich allen ein erfolgreiches, von Solidarität geprägtes neues Jahr.

Barbara Aeschbacher, Zentralsekretärin SMV

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