Zur aktuellen Situation des OSR 

NB: Wir haben einige Tage nach Redaktionsschluss der SMZ-Ausgabe April erfahren, dass der Vertrag von Jonathan Nott am 10. März 2016 unterzeichnet worden ist! 

Die Stiftung des Orchestre de la Suisse Romande und sein Generaldirektor Henk Swinnen haben sich «in gegenseitigem Einvernehmen getrennt», hiess es am 4. Februar in einer telegrammartigen Pressemitteilung. Die tatsächlichen Gründe für die vollkommen unerwartete Trennung blieben der Öffentlichkeit verborgen. Alles deutet auf ein Gentlemen’s Agreement über gegenseitiges Stillschweigen hin. Vor allem aber ist das Engagement von Jonathan Nott, der dem OSR ab Januar 2017 als Chefdirigent zur Verfügung stehen soll, bis heute nicht vertraglich besiegelt.

Bereits am 26. Februar hat die Stiftung des OSR den Namen des Interimsnachfolgers bekanntgegeben: Jean-Pierre Rousseau. Zwischen 1986 und 1993 war dieser für Espace 2 tätig, anschliessend waltete er sechs Jahre als Direktor von France Musique sowie als Leiter des Musikprogramms von France Culture. Nachdem er sich von 1999 bis 2014 als Generaldirektor des Orchestre Philharmonique Royal de Liège einen Namen gemacht hatte, bekleidete er ab Juni 2014 für ein knappes Jahr das Amt des Musikdirektors bei Radio France. Im Sommer des vergangenen Jahres wurde er zum Intendanten des Festival de Radio France et Montpellier Languedoc-Roussillon berufen. Unter seiner Ägide findet im Juli 2016 die 31. Ausgabe des Festivals statt. Doch erst einmal wird Rousseau das Jonathan Nott et l'OSR - DROSR im April auf seiner grossen Tournee nach China und Indien begleiten.

Die Stelle des Generaldirektors ist derzeit ausgeschrieben. Dass sie in «Administrateur général» umbenannt wurde, spricht für sich. Was den Vertrag des neuen Chefdirigenten angeht, haben Nott und Swinnen im Oktober vergangenen Jahres offenbar ein Dokument unterzeichnet, das einen Assistenzdirigenten vorsieht. Doch weder der Stiftungsrat noch das Bureau de Conseil noch die Präsidentin, Florence Notter, seien darüber in Kenntnis gesetzt worden. Auf diese Weise habe Swinnen das geplante Treffen von Notter und Nott «durchkreuzt», heisst es in einer offiziellen Pressemitteilung des OSR vom 26. Februar. Von der Existenz des Dokuments erfahren habe Notter erst im Januar 2016, und zwar in einem persönlichen Gespräch mit Nott. Noch im Februar ist Notter gemeinsam mit der Vizepräsidentin des Stiftungsrates nach London gereist, in der erklärten Absicht, die Situation zu bereinigen. «Sie haben alles in ihrer Macht Stehende unternommen, innerhalb der statutarisch festgelegten Grenzen und gemäss der Entscheidungen der Stiftung des OSR. Nach diversen Gesprächen hat die Stiftung Jonathan Nott über die Vorschläge des Stiftungsrates informiert. Wir warten gegenwärtig auf die Antwort von Herrn Nott und seiner Agenten», so die offizielle Mitteilung.

Henk Swinnen hat von öffentlichen Äusserungen hingegen abgesehen. Unbeirrt folgt er seiner Berufung als Orchestermanager: Am 1. Mai 2016 tritt er seine neue Stelle als Künstlerischer Leiter der Königlichen Philharmonie Flandern an.

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